RedHat Die Geschichte
Version vom 1. Juli 2026, 05:08 Uhr von Thomas.will (Diskussion | Beiträge)
Die Geschichte von Red Hat
Bevor wir installieren, lohnt ein Blick auf die Geschichte von Red Hat. Sie erklärt, wie das gesamte Enterprise-Linux-Ökosystem entstanden ist – und mündet am Ende in der Frage, warum wir in diesem Kurs ausgerechnet Rocky einsetzen.
Die Anfänge
- 1993
- Red Hat wird von Bob Young und Marc Ewing gegründet.
- Red Hat Linux
- die erste eigene Distribution – sie bringt das RPM-Paketformat, das bis heute Grundlage aller Nachfolger ist.
- Geschäftsmodell
- Der Quellcode steht unter der GPL und ist offen. Verkauft werden nicht die Rechte am Code, sondern Support, Zertifizierung und fertige Binärpakete. Dieses Prinzip ist der Schlüssel zu allem, was später kommt.
Fedora und RHEL
- 2003
- Red Hat stellt die klassische Red Hat Linux ein und teilt das Produkt in zwei Linien auf.
- Fedora
- die freie Community-Distribution – schnell, modern, experimentell. Hier wird Neues entwickelt und getestet.
- RHEL (Red Hat Enterprise Linux)
- die kommerzielle Linie – stabil, konservativ, mit 10 Jahren Support pro Major-Release. Zielgruppe sind Unternehmen.
- Der Zusammenhang
- Fedora ist das Vorfeld. Was sich dort bewährt, fließt später stabilisiert in RHEL ein.
Das Rebuild-Prinzip
- Offener Code, bezahlter Service
- Weil RHEL unter der GPL steht, darf jeder den Quellcode nehmen, neu bauen und das Ergebnis kostenlos weitergeben. Man verzichtet dabei nur auf Red Hats Support und das Markenzeichen.
- Folge
- Es entstehen freie 1:1-Nachbauten von RHEL – funktional identisch, aber ohne Kosten und ohne Support-Vertrag.
CentOS
- 2004
- CentOS erscheint als bekanntester dieser Nachbauten – über viele Jahre der Standard für Server, die RHEL-Stabilität ohne Lizenzkosten brauchen.
- 2014
- Red Hat übernimmt das CentOS-Projekt und stellt es unter sein Dach.
- 2019
- IBM kauft Red Hat für rund 34 Mrd. USD.
Der Bruch 2020
- Dez. 2020
- Red Hat ersetzt CentOS Linux durch CentOS Stream. Stream ist ein Rolling Release und liegt nun VOR RHEL – es ist die Vorschau auf das nächste Minor-Release, nicht mehr der stabile Nachbau danach.
- CentOS 8
- wird vorzeitig abgekündigt. Wer darauf gesetzt hatte, musste kurzfristig migrieren.
- Wirkung
- Die Lücke, die CentOS hinterlässt, ruft neue Projekte auf den Plan.
Die Nachfolger 2021
- Rocky Linux
- gegründet von Gregory Kurtzer, einem der ursprünglichen CentOS-Mitgründer; benannt nach dem verstorbenen Mitgründer Rocky McGaugh. Ziel: ein strikter 1:1-Nachbau von RHEL, geführt von einer Community-Stiftung (RESF).
- AlmaLinux
- von CloudLinux gestartet, heute unter einer eigenen Non-Profit-Stiftung.
Die Quellcode-Frage 2023
- Juni 2023
- Red Hat macht CentOS Stream zur einzigen öffentlichen Quelle. Der eigentliche RHEL-Quellcode ist nur noch über das Kundenportal zugänglich – das erschwert den originalgetreuen Nachbau.
- OpenELA
- Als Reaktion gründen CIQ (das Unternehmen hinter Rocky), Oracle und SUSE die Open Enterprise Linux Association, um frei zugänglichen RHEL-kompatiblen Quellcode bereitzustellen.
- Zwei Wege
- Rocky bleibt ein strikter 1:1-Klon und bezieht die Quellen u. a. über UBI-Container, Cloud-Images und OpenELA. Alma tritt OpenELA nicht bei und zielt nur noch auf ABI-Kompatibilität, aufgebaut auf CentOS Stream.
Das Schichtmodell
Zur Einordnung der ganzen Geschichte in einem Bild:
Fedora → CentOS Stream → RHEL → Rocky / Alma / Oracle Linux (Vorfeld) (Vorschau) (stabil) (freie Nachbauten)
Warum wir Rocky benutzen
- Enterprise-Qualität ohne Lizenzkosten
- Rocky ist ein exakter Nachbau von RHEL – dieselben Pakete, dieselben Werkzeuge, dieselbe 10-Jahre-Perspektive, aber frei einsetzbar. Was hier gelernt wird, gilt 1:1 auf jedem RHEL-System im Beruf.
- Direkter CentOS-Nachfolger
- Rocky führt die Rolle weiter, die CentOS jahrelang hatte, und wird von einem CentOS-Mitgründer getragen.
- Strikte RHEL-Treue
- Durch den 1:1-Ansatz verhält sich Rocky wie RHEL – ideal für Schulung und Labor, weil es keine Abweichungen gibt, die später verwirren.
EPEL und crb
Aus der RHEL-Treue folgt eine Eigenheit, die im Kurs immer wieder auftaucht: Rocky ist bewusst schlank. Die Basis-Repos enthalten nur das, was auch in RHEL steckt – viele nützliche Zusatzprogramme fehlen dort absichtlich. Dafür gibt es zwei ergänzende Repositories:
- EPEL (Extra Packages for Enterprise Linux)
- ein Fedora-Projekt, das genau solche Zusatzpakete für Enterprise-Distributionen bereitstellt. EPEL ist kein Bestandteil von RHEL und wird von der Community gepflegt – es muss erst aktiviert werden, bevor man daraus installieren kann.
- crb (CodeReady Builder)
- ein zusätzliches Repo mit Entwicklungs- und Build-Abhängigkeiten (Bibliotheken, Header). Einige EPEL-Pakete setzen darauf auf, weshalb crb oft zusammen mit EPEL freigeschaltet wird.
- Merke
- Findet ein Paket auf einer frischen Rocky nicht, liegt es meist daran, dass es nicht in den Basis-Repos, sondern in EPEL liegt – und EPEL noch nicht aktiviert ist. Die konkrete Aktivierung behandeln wir bei der Paketverwaltung.