TLS Schlüsselaustausch und Sitzungsschlüssel 1.3

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Client Hello

Supported Versions
  • gibt an, welche TLS-Versionen der Client unterstützt
  • bei TLS 1.3 wird hier explizit TLS 1.3 angeboten
  • keine klassische Versionsverhandlung mehr wie bei TLS 1.2 (legacy_version ist nur noch ein Platzhalter)
Supported Groups
  • Liste unterstützter (EC)DHE-Gruppen
  • z. B. x25519, secp256r1
  • Gruppen definieren alle kryptographischen Parameter vollständig
  • keine Aushandlung einzelner Parameter wie p oder g
Key Share
  • enthält den ephemeren DH/ECDH-Public-Key des Clients
  • Private Key verbleibt ausschließlich beim Client
  • Grundlage für die spätere Berechnung des Shared Secret
  • ermöglicht den 1-RTT-Handshake
Client Random
  • 32 Byte Zufallswert
  • fließt in die Schlüsselableitung ein
  • erhöht die Entropie des Handshakes
(weitere Extensions, z. B. SNI, ALPN)
  • SNI: gibt den gewünschten Ziel-Hostnamen an
  • ALPN: listet die vom Client unterstützten Anwendungsprotokolle (z. B. HTTP/2, HTTP/1.1)
  • Extensions sind funktional, nicht kryptographisch zwingend
  • werden im ClientHello unverschlüsselt übertragen


Server Hello

Selected Version
  • Server bestätigt die zu verwendende TLS-Version
  • in diesem Fall TLS 1.3
  • keine weitere Versionsverhandlung mehr
Key Share
  • enthält den ephemeren DH/ECDH-Public-Key des Servers
  • verwendet dieselbe Gruppe wie vom Client ausgewählt
  • ermöglicht beiden Seiten die Berechnung des Shared Secret
  • Private Key verbleibt ausschließlich beim Server
Server Random
  • 32 Byte Zufallswert des Servers
  • fließt in die Schlüsselableitung ein
  • ergänzt den Client Random zur Entropieerzeugung


Handshake Secret

Shared Secret
  • wird nach Empfang des ServerHello lokal berechnet
  • basiert auf ephemerem (EC)DH
  • beide Seiten nutzen:
    • eigenen Private Key
    • fremden Public Key
  • Ergebnis ist auf beiden Seiten identisch
  • wird niemals übertragen
Handshake Secret
  • wird aus dem Shared Secret per HKDF abgeleitet
    • HKDF steht für HMAC-based Key Derivation Function
    • HKDF ist ein standardisiertes Verfahren zur Schlüsselableitung
  • stellt einen internen kryptographischen Zustand dar
  • dient als Basis für die Handshake-Verschlüsselung
Handshake Traffic Keys
  • werden aus dem Handshake Secret abgeleitet
  • werden niemals übertragen
  • sind ab EncryptedExtensions aktiv
Verschlüsselung aktiv ab jetzt
  • alle folgenden Handshake-Nachrichten sind verschlüsselt
  • geschützt mit den Handshake Traffic Keys


Server Handshake Nachrichten (TLS 1.3)

EncryptedExtensions
  • erste verschlüsselte TLS-Nachricht des Servers
  • wird mit den Handshake Traffic Keys verschlüsselt
  • enthält die vom Server akzeptierten Extensions
  • z. B. ALPN und weitere verbindungsrelevante Parameter
    • ALPN: welches Anwendungsprotokoll der Server ausgewählt hat (z. B. h2 oder http/1.1)
Certificate
  • Übertragung der Server-Zertifikatskette
  • vollständig verschlüsselt
  • Zertifikat enthält:
    • den öffentlichen Schlüssel des Servers
    • Identitätsinformationen
    • die Signatur der ausstellenden CA
  • Client nutzt das Zertifikat zur Authentizitätsprüfung
CertificateVerify
  • Server signiert den bisherigen Handshake-Transcript
  • Signatur erfolgt mit dem privaten Schlüssel des Servers
  • der zugehörige öffentliche Schlüssel befindet sich im Zertifikat
  • beweist die Kontrolle über den Private Key
  • schützt vor Man-in-the-Middle-Angriffen
Finished
  • verschlüsselte Prüfsumme über den gesamten bisherigen Handshake
  • berechnet mit dem Handshake Traffic Key
  • bestätigt die Integrität aller vorherigen Handshake-Nachrichten
  • Abschluss der Server-Seite des TLS-1.3-Handshakes


Client prüft Server

Zertifikatsprüfung
  • Client prüft die Server-Zertifikatskette
  • Signatur der Zertifikate wird mit dem Public Key der CA verifiziert
  • Vertrauenskette endet bei einer bekannten Root-CA
  • Gültigkeitszeitraum und Zertifikatsattribute werden geprüft
  • Ergebnis: der öffentliche Schlüssel des Servers ist vertrauenswürdig
CertificateVerify Prüfung
  • Client verifiziert die CertificateVerify-Signatur
  • verwendet den öffentlichen Schlüssel aus dem Server-Zertifikat
  • überprüft die Signatur über den bisherigen Handshake-Transcript
  • stellt sicher, dass der Server den zugehörigen Private Key besitzt
  • Ergebnis: der Server kontrolliert den privaten Schlüssel zum Zertifikat


Client Finished

Finished
  • Client berechnet die Finished-Prüfsumme
  • basiert auf dem bisherigen Handshake-Transcript
  • wird mit dem Handshake Traffic Key verschlüsselt
  • bestätigt die Integrität des gesamten Handshakes
  • signalisiert dem Server den erfolgreichen Abschluss


Application Traffic Keys

Application Traffic Keys
  • werden nach erfolgreichem Client Finished aktiviert
  • werden aus den Application Traffic Secrets abgeleitet
  • entsprechen dem umgangssprachlichen Sitzungsschlüssel
  • existieren ausschließlich lokal auf Client und Server


TLS 1.3 Verbindung erfolgreich

  • 1-RTT-Handshake abgeschlossen
  • Server ist kryptographisch authentifiziert
  • Client ist über den Handshake implizit bestätigt
  • Application Traffic Keys sind aktiv
  • geschützte Anwendungsdaten können übertragen werden